24-Stunden-Rennen: So bereitest du dich vor
Ein 24-Stunden-Rennen ist eine eigene Welt am Rad. Nicht die schnellste Runde zählt, sondern wer nach einem ganzen Tag und einer ganzen Nacht die meisten Kilometer beisammen hat. Wer das zum ersten Mal angeht, unterschätzt fast immer die Nacht und die Stunden zwischen drei und sechs Uhr morgens. Genau dort entscheidet sich das Rennen, nicht im fitten Nachmittag.
Ein bekanntes Beispiel war das 24-Stunden-Radrennen im Landschaftspark Duisburg-Nord, das bis 2023 ausgetragen wurde. Auf dem Rundkurs durch das alte Hüttenwerk drehten Solofahrer und Teams ihre Runden rund um die Uhr, beleuchtet von den Industrieanlagen. Die Mischung aus Wettkampf und besonderer Kulisse machte es zu einem festen Termin für viele Langstreckenfahrer. Mehr zur Geschichte dieses Events steht auf der Seite zum RheinPower 24-Stunden-Radrennen von Duisburg.
Team oder Solo: Zwei völlig verschiedene Rennen
Die erste Entscheidung verändert alles. Im Team teilen sich zwei, vier oder acht Fahrer die 24 Stunden. Jeder fährt seine Runden, dazwischen wird gegessen, geschlafen, regeneriert. Das Tempo pro Runde liegt deutlich höher, weil danach Pause folgt. Teamrennen leben von der Wechselstrategie und davon, dass alle ihren Rhythmus finden.
Solo ist eine andere Sportart. Ein Mensch, 24 Stunden, kaum Pausen. Hier geht es nicht um schnelle Runden, sondern um Durchhalten ohne Einbruch. Das Tempo liegt niedrig, oft im Bereich einer langen Grundlagenausfahrt, dafür hört es fast nie auf. Wer solo startet, sollte vorher mehrere sehr lange Ausfahrten in den Beinen haben. Die Grundlagen für solche Distanzen stehen im Bikepacking-Guide, der ähnliche Belastungen über viele Stunden behandelt.
Die Nacht: Licht und Orientierung
Nachts wird aus dem vertrauten Kurs eine fremde Strecke. Das wichtigste Material ist gutes Licht. Ein starker Frontscheinwerfer mit mindestens 800 Lumen und langer Brenndauer gehört auf den Lenker, eine zweite Lampe als Reserve und für die Tiefe ans Steuerrohr oder den Helm. Akkus wollen geladen sein, am besten mehrere geladene Sätze griffbereit am Wechselplatz.
Die Nacht zerrt nicht nur an den Augen, sondern am Kopf. Zwischen drei und fünf Uhr morgens fällt vielen die Konzentration weg, die Körpertemperatur sinkt, die Müdigkeit drückt. Hier hilft es, langsamer und bewusster zu fahren, warme Kleidung anzuziehen und an dieser Stelle nicht den Helden zu spielen. Wer die Nacht übersteht, fährt im Morgengrauen oft wie neugeboren. Mehr zur Energieeinteilung über so viele Stunden steht in der Rubrik Langstrecke.
Wechselstrategie im Team
Ein gutes Team verliert oder gewinnt an der Box. Lange Wechsel kosten Runden, hektische Wechsel kosten Nerven. Bewährt hat sich ein fester Rhythmus, etwa eine Runde fahren, dann wechseln, oder feste Zeitblöcke pro Fahrer. Wichtig ist, dass der nächste Fahrer angezogen und aufgewärmt bereitsteht, bevor der Vorgänger eintrifft.
Ein paar Punkte machen den Unterschied:
- Klare Reihenfolge und feste Wechselzeiten, schriftlich am Zelt
- Bereitschaftsfahrer rechtzeitig wecken und warmfahren lassen
- Essen und Getränke vorbereitet, nicht erst im Wechsel zubereiten
- Ein Ersatzrad startklar, falls eine Panne den Plan durchkreuzt
Nachts darf der einzelne Block länger werden, damit alle etwas zusammenhängenden Schlaf bekommen. Ein durchgefrorener, übermüdeter Fahrer auf der Strecke bringt weniger als einer, der eine Stunde länger geschlafen hat.
Schlaf und Regeneration
Im Team ist Schlaf planbar, solo ist er eine taktische Entscheidung. Manche Solofahrer fahren komplett durch, andere legen sich für 20 bis 40 Minuten hin, wenn die Müdigkeit gefährlich wird. Ein kurzer Schlaf in der tiefsten Nacht kann den Morgen retten und verhindert Sekundenschlaf auf dem Rad, der gefährlich ist.
Egal ob Team oder Solo: Ein warmer, trockener Rückzugsort ist Gold wert. Ein beheizbares Zelt oder ein Wohnmobil als Basis, trockene Wechselkleidung, eine warme Mahlzeit. Der Körper kühlt in den Pausen schnell aus, und ausgekühlt zurück aufs Rad zu steigen kostet doppelt Energie. Wer die Regeneration ernst nimmt, hält die Leistung über die volle Distanz stabiler.
Material: Was halten muss
Über 24 Stunden summieren sich die Belastungen. Ein durchgehend gewartetes Rad mit frischer Kette, geprüften Bremsen und neuen Reifen ist Pflicht. Reifen mit etwas mehr Pannenschutz fahren langsamer, aber ein Defekt nachts an der entferntesten Stelle des Kurses kostet weit mehr Zeit als die paar Watt Rollwiderstand.
Ein zweites, startklares Rad ist im Team Standard und solo eine sinnvolle Absicherung. Dazu Werkzeug, Ersatzschläuche, ein Ersatzschaltauge und genug Beleuchtung mit geladenen Reserveakkus. Wer alles vorbereitet hat, verliert bei einer Panne Minuten statt Stunden. Die Materialvorbereitung beginnt nicht am Renntag, sondern Wochen vorher mit Probefahrten unter Belastung.
Wie viele Kilometer schafft man in 24 Stunden realistisch?
Das hängt stark von Kurs, Wetter und Form ab. Ambitionierte Solofahrer kommen je nach Profil auf 500 bis weit über 700 Kilometer, Teams entsprechend mehr. Für den ersten Start ist das Ankommen das Ziel, nicht eine bestimmte Zahl.
Sollte ich das erste Mal solo oder im Team starten?
Für den Einstieg ist ein Team meist die bessere Wahl. Die Pausen erlauben Erholung, der gemeinsame Plan nimmt Druck, und du lernst den Ablauf kennen, ohne sofort an deine Grenze zu gehen. Solo ist der nächste Schritt, wenn die Distanz vertraut ist.
Was ist die größte Gefahr in der Nacht?
Müdigkeit und Auskühlung, besonders in den frühen Morgenstunden. Sekundenschlaf auf dem Rad ist real und gefährlich. Wer extrem müde wird, sollte lieber einen kurzen Schlaf einlegen, als sich durch die Nacht zu quälen.
Wie viel Beleuchtung brauche ich?
Mindestens eine starke Hauptlampe mit langer Brenndauer plus eine Reserve, dazu geladene Ersatzakkus am Wechselplatz. Für die Tiefenwahrnehmung hilft eine zweite Lichtquelle. Plane immer mehr Akkukapazität ein als rechnerisch nötig, da Kälte die Laufzeit verkürzt.